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Das stille Leuch­ten. Ein Abend über Don Gio­van­ni

Premiere: Musiktheater nach Mozart, Offenbach und anderen mit Gesangsstudierenden der MHL und dem Mozartensemble der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Franziska Kronfoth (Regie) und Jacob Gröper (Musikalische Leitung).

Blick auf eine Opernszene im Großen Saal der MHL mit Studierenden der MHL

Besetzung

* Sa, 11.04.2026 / ** So, 12.04.2026

  • Don Giovanni: Kazushi Yamada* / Seongyoung Hwang**
  • Leporello: Mario Park* / Kaiwen Zhao**
  • Donna Anna: Ioanna Miliou* / Grace Kim**
  • Don Ottavio: Zuolong Chen
  • Donna Elvira: Monica Mhangwana* / Tsambika Meier**
  • Zerlina: Yeseul Kwon* / Lilly Baumgartner**
  • Masetto: Carl Chistophel* / Christian Nungesser**
  • Komtur: Juhwan Cho
     
  • Patrycja Olszewska (Orgel)
    Thomas Fricke-Masur (Mandoline)
  • Jacob Gröper (Hammerflügel)
  • Kammerensemble der Hochschule für Musik und Theater Hamburg
  • Jacob Gröper (Musikalische Leitung)
  • Franziska Kronfoth (Regie)
     

Don Giovanni sein zu müssen, kann ein Fluch sein: Es ist die Entgrenzung und Perversion eines antiquierten Männerbildes, das Unerreichbarkeit, Dominanz, das Vorrecht, dem anderen Geschlecht den Hof zu machen und das Ausleben von Begierden dämonisiert und gleichzeitig zur gesellschaftlichen Faszination erhebt.

Einen jungen Mann, der genau diese Anforderungen nicht erfüllt und unter ihnen zerbricht, sowie einen ganzen Sturm aufbrechender Gefühle einer neuen Generation zeigen Gesangsstudierende der MHL in  diesem außergewöhnlichen Musiktheaterabend, begleitet vom Kammerensemble der Hochschule für Musik und Theater Hamburg mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Jacques Offenbach und Improvisationen von Patrycja Olszewska.

Der Musiktheaterabend nach Mozarts »Don Giovanni« spielt in einem Internat, in das der junge Giovanni von seinem strengen Elternhaus geschickt wurde. Dort soll er sich zu einem guten, »männlichen« Sohn der höheren Gesellschaft entwickeln. Doch in diesem Internat ist einiges aus den Fugen, die Autorität des Direktors ist den jungen Menschen zutiefst verhasst und sie suchen sich in Feiern und Exzessen  davon abzulenken. Gleichzeitig sind sie zerrissen und müssen versuchen, ihren moralischen und emotionalen Kompass in einer widersprüchlichen Welt neu einzustellen. Dabei gibt die Inszenierung  den großen musikalischen und spielerischen Qualitäten der jungen Sänger:innen eine Plattform – mit großer Spielfreude und Hingabe widmeten sie sich sowohl der szenischen Arbeit auf der Bühne als auch vor der Kamera, so wurde eigens für den Abend ein Stummfilm gedreht, in dem die Vorgeschichte Giovannis erzählt wird. Komische Momente stehen neben wirklich tragischen und dramatischen, das »Dramma giocoso« wird beim Wort genommen.

Mozarts »Don Giovanni« entstand 1787 für die Operngesellschaft in Prag nach einem Libretto von Lorenzo da Ponte. Der Hauptdarsteller der Uraufführung war ein außergewöhnlich talentierter Sänger-Darsteller,  der berühmt war für sein extrem lebendiges Spiel. Er konnte eine moralisch verworfene Figur spielen und gleichzeitig vom Publikum geliebt werden, was nachträglich die hoch ambivalente Anlage des Stücks einerseits erklärt und andererseits heute immer noch zur Herausforderung macht. Der Don Giovanni-Stoff ist wie Faust ein Archetypus der europäischen Kulturgeschichte - während Faust nach der Entgrenzung des Geistes strebt, ist es bei Giovanni die Entgrenzung in der Erotik. Hochproblematisch ist das wiederholte Motiv des sexuellen Mißbrauchs in der Oper, das direkt auf unsere Thematik verweist – die Gefährlichkeit und letztendlich Menschenfeindlichkeit eines Männerbildes, das auf Dominanz beruht. Wir zeigen in »Das stille Leuchten« explizit andere Varianten davon, wie ein Mann leben, sich verhalten und entwickeln kann, wie das Entfalten von Fürsorge, Empathie und Sensibilität einen Gewinn für alle Geschlechter darstellt.

»Das stille Leuchten« ist ein Musiktheaterabend, eine Stückentwicklung. So sind die Arien und Ensembles – allesamt Höhepunkte aus der Oper »Don Giovanni« – miteinander durch extra für das Stück entwickelte Zwischenmusiken und Orgelimprovisationen (an der Orgel: Patrycja Olszewska, am Hammerflügel: Jacob Gröper) und kleine Szenen verbunden. Die Studierenden haben die Konzeption entscheidend mitentwickelt und sind in verschiedenster Hinsicht als Sänger:innen und Darsteller:innen gefordert. Auf der Bühne, analog und vor der Kamera, sie sprechen Dialoge in deutscher Sprache, aber auch in ihren Muttersprachen (Chinesisch, Japanisch, Englisch, Koreanisch und Griechisch), außerdem ist ein Text aus Prosper Mérimées »Don Juan im Fegefeuer« eingeflossen, der auf das Ende Giovannis hinausweist.

Der Große Saal der MHL ist in einer besonderen Anordnung der Podien sowie unter Einbezug der Orgel zu erleben und wird in all seinen Winkeln bespielt; auch das Orchester ist nicht versteckt, sondern Teil des Bühnengeschehens. Die Kostüme erzählen einerseits die autoritäre, abgesteckte Welt des Internats, andererseits auf fantasievolle Weise Ausflüge in andere Momente der Freiheit, des Lebens-Versuchs und der Kreativität. Der besondere Einsatz aller Beteiligten auf und hinter der Bühne sei für diesen komplexen, lebendigen, lustigen und auch immer wieder traurigen Musiktheaterabend noch einmal herausgehoben.